"25 Jahre haben sie Derrick in ihr Wohnzimmer gelassen. Jetzt kommt ein Neuer, also müssen sie sich umgewöhnen"

Peter Kremer / Dezember 1998, "Sonntags-Zeitung"

Symbolbild zum Thema Interviews

Peter Kremer alias Siska ist der neue Derrick. Am kommenden Dienstag tritt der Kommissar in «Tod einer Würfelspielerin» zum drittenmal am Fernsehen auf. Von Derrick will Siska allerdings nichts mehr hören - er entwickelt sich zu einer eigenständigen Kultfigur.

Peter Kremer, wie fanden Sie "Derrick"?

Peter Kremer: Ich habe die Serie nicht mehr als drei-, viermal in meinem Leben gesehen. Das heisst, sie hat mich nicht wahnsinnig interessiert. Wobei mich - abgesehen von dem englischen Krimi "Für alle Fälle Fitz" mit Roby Coltrane - keine Sendung so sehr reizt, dass ich mich regelmässig vor die Glotze setzen würde.

Es dürfte Ihnen trotzdem nicht entgangen sein, dass Derrick und sein Assistent Harry im Laufe der Zeit Kultstatus erreicht haben. War es unter diesen Bedingungen nicht besonders riskant, ausgerechnet den Münchner Oberinspektor zu ersetzen?

Kremer: Ich sehe mich überhaupt nicht als Ersatz. "Siska" ist etwas völlig anderes, und folglich hatte ich mit "Derrick" nie irgendwelche Probleme.

Wenn nicht Derricks Ersatz, so sind Sie mindestens sein Nachfolger. Weniger schlimm?

Kremer: Schlimm ist da sowieso nichts für mich. Im Gegenteil, die Sache ist ganz normal. 25 Jahre lang haben die Leute Derrick in ihr Wohnzimmer gelassen. Jetzt kommt ein Neuer, also müssen sich sich umgewöhnen. Wo ist das Problem?

Ist Derrick ein Reizwort für Sie?

Kremer: Es regt mich nur dann auf, wenn ich in einem zweistündigen Interview in jeder zweiten Frage das Wort Derrick höre. Dann ist irgendwann Schluss.

Wechseln wir also schleunigst das Thema. Was hat Sie, den Bühnenschauspieler, dazu bewogen, die Rolle des Peter Siska in einer Fernsehkrimi-Serie zu übernehmen?

Kremer: Ich habe in einem Gespräch mit dem Produzenten, Herrn Ringelmann, schnell gemerkt, dass ich bei der Gestaltung der Figur des Siska mitreden und mich voll einbringen kann - und soll. Das ist ein grosser Reiz für einen Schauspieler, einmal einer ganzen Serie, und nicht nur einem zweistündigen Stück, ein Profil geben zu können. Ich empfinde es auch als Herausforderung, dass mich viel mehr Menschen sehen werden als am Theater in den letzten zwanzig Jahren zusammen und dass es an mir liegt, diese Menschen für Siska beziehungsweise Peter Kremer einzunehmen.

In welchem Zustand präsentierte sich die Rolle des Siska, als man Sie Ihnen erstmals vorstellte?

Kremer: Sie hing irgendwie im luftleeren Raum, und ich hatte nirgends Ansatzpunkte, um an sie heranzugehen. Das ist kein Wunder, denn sie wurde konzipiert, als noch kein Mensch daran dachte, Peter Kremer die Hauptrolle zu geben. Das hiess aber auch, dass ich sehr viel Arbeit im Vorfeld und während des Drehens leisten musste, um mir den Siska zu eigen zu machen.

Gehört zu diesem Aneignungsprozess auch, dass Siska von Albert auf Peter umgetauft wurde?

Kremer: Das war weniger mein Wunsch als der des Teams. Albert, meinten einige, sei nicht zwingend. Plötzlich tauchte der Name Peter auf. Warum nicht? habe ich gesagt. Ich komme mit Peter klar, und es ist mir egal, dass er gleich heisst wie ich.

Sie sollen aber zumindest bei der Herkunft des Kriminalbeamten eine Änderung gewünscht haben. Statt aus Nürnberg kommt Siska jetzt aus Mülheim.

Kremer: So ist es. Und ich komme aus Mülheim, und das Theater an der Ruhr, für das ich seit mehreren Jahren arbeite, steht in Mülheim. Ein starkes Stück, nicht wahr.

Kommt drauf an, welche Idee sich dahinter verbirgt.

Kremer: Nix Idee. Ich habe dort meine persönlichen und beruflichen Wurzeln. Das ist alles.

Interessant ist, wie nahe Sie den Peter Siska bei Peter Kremer ansiedeln. Während Horst Tappert erst im Verlauf der Jahre zu Derrick mutierte, scheinen Sie den umgekehrten Weg zu gehen und von Anfang an mit der Rolle zu verschmelzen.

Kremer: Das mag - mindestens annähernd - so sein. Ich empfinde das aber auch als grosse Lust, einer langfristig angelegten Figur meinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Wobei der Siska natürlich auch Facetten hat, die nicht unbedingt zu Peter Kremer gehören. Denken Sie an den Ausbruch von Trauer und Wut, den er in der ersten Folge hatte, nachdem seine Frau erschossen wurde. So etwas habe ich noch nie erlebt, also kommt hier höchstens meine Phantasie zum Zuge.

Welchen Typ Mann soll Siska eigentlich repräsentieren?

Kremer: Sie sind die Zuschauerin. Was würden Sie sagen?

Nach zwei Folgen wirkt er ausgesprochen sensibel, unkonventionell, kreativ, kollegial, aber gleichzeitig auch unabhängig, sympathisch und vertrauensvoll - mit einem Wort: Typ neuer Mann.

Kremer (grinst): Da gehe ich vollumfänglich mit Ihnen einig. Ich müsste Verrenkungen machen, um noch andere Attribute zu finden.

Sie haben bereits neun Folgen von "Siska" gedreht. In welche Richtung wird sich die Serie entwickeln?

Kremer: Die Sprache erhält zusehends mehr jene Modernität, die auch mir entspricht. Es hat Humor, mehr Leichtigkeit. Alle Figuren bekommen ihre kleinen, privaten Momente. Und die Krimi-Handlung wird auch etwas anders: Weniger Brutalität zwar, aber gleichwohl mehr Action, als man bisher auf diesem Sendeplatz gewohnt war.

In der ersten Folge wurde ja ein bisschen dick aufgetragen: Siskas Frau wird von einem seiner Kollegen erschossen, das Blut spritzt nur so, und Siska rastet, von Schmerz gepeinigt, aus. Mochten Sie diesen Einstieg?

Kremer (denkt lange nach): Ja, doch, kann ich schon sagen. Punkto Gewalt gehe ich zwar mit Ihnen einig. Das ist auch nicht so mein Ding. Aber die Idee, Frau Siska gerade zu Beginn wegsterben zu lassen, hat viel für sich. Dass ich den Fernsehzuschauern so schnell nahegekommen bin, resultiert mit Sicherheit auch daraus. Zumal eine meiner Stärken, denke ich, in solchen emotionalen, sensiblen Geschichten liegt.

Ist das Kapitel Frau damit erledigt? Keine weiteren Frauen für den attraktiven, gutgekleideten Oberinspektor in Sicht?

Kremer: Doch, doch. Es ist eine in Sicht, die aber auch wieder ausser Sicht gerät. Sagen wir, eine Art Annäherung findet statt. Aber lassen wir uns doch überraschen.

Ihre beiden Bürokollegen hatten bisher auch eher undankbare Rollen und wirkten etwas blutleer. Kriegen die noch ein bisschen Fleisch an die Knochen?

Kremer: Oh, ja. Es war unsere Hauptarbeit in den ersten Monaten, dass wir als Team zusammenwachsen. Das ist auch für mich als "Chefchen" der Mordkommission, aber auch als Peter Kremer ein starkes Bedürfnis, weil ich ein Ensemblearbeiter bin und kein Mann, der allein an der Rampe steht und "Sein oder Nicht-Sein" sagt. Das war nie mein Stil und wird es auch nie sein.

Was hatten Sie eigentlich in Ihrem bisherigen Leben mit der Polizei am Hut?

Kremer: Abgesehen davon, dass Peter Kremer vor rund dreissig Jahren zweimal von der Polizei abgeholt wurde, weil er den Feuerteufel gespielt hatte, gar nichts. Ich habe ein klassisches Weder-Noch-Verhältnis, und an einen Polizisten wie den Siska gehe ich heran wie an jede andere Rolle auch: interessiert, neugierig und mit grosser Liebe, ohne die man keine Figur ergründen und glaubwürdig darstellen kann.

Siska, soviel steht bereits fest, ist ein Sympathieträger erster Güte. Machen Sie Werbung für die Polizei?

Kremer: Es liegt mir fern, für irgendetwas Werbung zu machen. Und nachdem ich in einer grossen deutschen Zeitung kürzlich ein Gespräch von drei Kommissaren über "Siska" gelesen habe, glaube ich auch nicht unbedingt, dass mich die Polizei für den idealen Werbeträger hält. Die drei sprachen nämlich nicht von Sympathie oder Antipathie, sondern zählten vor allem jene Fakten in "Siska" auf, die nicht ganz der Realität entsprechen. Beispiel: Bei uns sagt jemand "fremde Schüsse", dabei muss es korrekterweise "Schüsse anderen Kalibers" heissen. Das ist berechtigte Kritik, und wir müssen uns offensichtlich noch das fachgerechte Vokabular aneignen.

Wie sind die Fernsehverantwortlichen überhaupt auf die Idee gekommen, die Rolle des "Siska" mit Ihnen zu besetzen?

Kremer: Produzent Ringelmann hat mir vor acht Jahren in vier Folgen des "Alten" und in zwei Folgen von "Derrick" die Rolle des Bösewichts anvertraut. Dann war Funkstille. Eines Tages, nachdem er sich wahrscheinlich schon lange mit der Besetzung des "Siska" schwer getan hat, rief er an und fragte: Haben Sie nächstes Jahr Zeit? Es war Ringelmanns Entscheidung und sein Mut auch, jemanden wie mich für eine solche Rolle zu verpflichten.

Wieso Mut?

Kremer: Mut insofern, weil ich keiner war, der beim Fernsehvolk einen grossen Namen hatte.

Aber man darf dem Fernsehvolk doch hin und wieder auch ein neues Gesicht präsentieren.

Kremer: Klar, finde ich auch. Aber das machen nicht viele. Die meisten fahren ständig im alten Fahrwasser. Im Nachhinein hat es sich als Glückstreffer erwiesen, weil "Siska" - toi, toi, toi - gut angekommen ist. Aber machen wir uns nichts vor. Es hätte genausogut nach hinten losgehen können, und dann hätte Herr Ringelmann sonst was zu hören gekriegt.

Waren die vier "Alten" und die zwei "Derricks" Ihre dazumal einzige Fernseherfahrung?

Kremer: Nein. Ich habe insgesamt zwölf, dreizehn Hauptrollen gespielt. Darunter auch eine in dem grossen Film "Sansibar oder der letzte Grund" mit Bernhard Wicki, der sogar mit dem Adolf Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Das liegt allerdings schon fünfzehn Jahre zurück.

Mag der Theaterschauspieler Kremer die Fernseharbeit?

Kremer: Ich hatte immer das Glück, mit guten Schauspielern und guten Regisseuren gute Arbeit leisten zu können. So ist es jetzt auch wieder bei "Siska", und folglich mag ich diese Art von Fernseharbeit sehr. Ich weiss allerdings nicht, ob ich bei einer dieser Schnellproduktionen, die es ja auch gibt, sehr happy wäre. Ich geniesse es, dass wir sechzehn, siebzehn Tage Zeit haben, um eine einzige "Siska"-Folge zu drehen. Das ist ein grosses Privileg.

"Siska" ist also auch für Sie zum Volltreffer geworden. Trotzdem - wo sind die Schattenseiten?

Kremer: Klar, habe ich mir im Vorfeld auch Gedanken darüber gemacht, wo die Nachteile liegen. Da tauchten Fragen auf wie: Welche Formen nimmt dieses Ausgesetztsein auf der Strasse an? Rufen einem die Leute dann "Siska" hinterher? Ist der Alltag nicht mehr derselbe, der er vierzig Jahre lang war? Momentan ist das alles noch zu frisch, um eine endgültige Antwort zu geben. Mit dem Presserummel komme ich ganz gut zurecht. Ich habe festgestellt, dass ich mich selbst gegen tausend Journalistenanfragen gut abgrenzen kann, wenn ich keine Lust und keine Zeit für irgendwelche Interviews habe.

Die ersten Auftritte in Talkshows liegen bereits hinter Ihnen.

Kremer: Es ist spannend, diese neue Erfahrung zu machen, aber sehr anstrengend. Das ist echt harte Arbeit, für die ich nicht geboren bin. Ich konnte gut nachvollziehen, dass Götz George, der ja nun schon dreissig Jahre in der Mühle drinsteckt, neulich in "Wetten, dass..." ein wenig neben der Spur war und ziemlich unwirsch auf die Fragen von Thomas Gottschalk reagierte.

Stichwort Götz George. Mögen Sie ihn, Heiner Lauterbach oder Bruce Willis?

Kremer: Bruce Willis kenne ich nur von einem Film, denke aber, dass er nicht unbedingt der Typ ist, auf den ich anspringe. Lauterbach und George hingegen habe ich in den letzten Jahren in sehr schönen, professionellen Sachen gesehen.

Mit diesen drei Männertypen werden Sie beziehungsweise Siska bereits verglichen.

Kremer: Tja, die sehen ja nicht schlecht aus, sind auch nicht total blöd - damit kann ich leben.

Das Interessante daran ist: Kaum sind die ersten Folgen von "Siska" ausgestrahlt, ist die Abstempelung bereits in vollem Gange. Haben Sie keine Angst, dass Sie zu stark mit der Figur des Siska identifiziert werden und damit Ihre Glaubwürdigkeit als seriöser Schauspieler verlieren?

Kremer: Natürlich habe ich diese Gefahr in Betracht gezogen, aber auch schnell wieder verworfen. Ich bin nämlich überzeugt, dass ich mich jederzeit, wenn ich keine Lust mehr auf "Siska" habe, am Schopf packen und den Leuten zeigen werde, dass der Kremer auch anders kann. Aber im Augenblick ist "Siska" da, und das ist gut so.

Zur Zeit ist ja auch Hochstimmung angesagt. Sie kriegen regelrecht euphorische Kritiken, werden als "Idealbesetzung" gefeiert, und selbst die seriöse "Süddeutsche Zeitung" wettet darauf, dass "Kremer als Siska Kult" wird. Sogar hartgesottene Tappert-Fans glauben wieder an ein TV-Leben nach "Derrick". Ist Ihnen ein Stein vom Herzen gefallen?

Kremer: Ich hatte doch nichts zu verlieren, musste mir auch nichts beweisen - also welcher Stein sollte mir vom Herzen fallen? Natürlich ist es wunderbar, dass die Kritiken jetzt so positiv ausgefallen sind.

Was ist der Schlüssel zum Erfolg?

Kremer: Weiss ich nicht. Bei mir persönlich hängt es vielleicht damit zusammen, dass ich mit "Siska" nach einer zweijährigen Theaterpause begonnen habe, in der ich mich mehrheitlich um meine zwei- und vierjährigen Kinder gekümmert habe. Da habe ich wirklich mal Theater Theater sein lassen und meiner Frau das Leben ein wenig erleichtert. Nach dieser Erfahrung, die ich niemals missen möchte, auch wenn mir mitunter die Decke auf den Kopf gefallen ist, bin ich gelassener geworden, was Kritiken und deren Bedeutung angeht. Früher hat mich der Gedanke an die Kritiken schon im Vorfeld einer Produktion völlig verrückt gemacht. Die jetzige Entspanntheit wirkt sich sehr wohltuend auf meine Arbeit aus.

Wie haben Ihre Kollegen von der Bühne reagiert, als sie hörten, dass Peter Kremer zum Fernsehkommissar wird?

Kremer: Da gab es schon solche, die sich erst mal hingesetzt haben. Ist natürlich auch ein Hammer. Aber selbst von den ambitioniertesten Theaterleuten hat mir keiner abgeraten oder meinen Entscheid kritisiert. Dafür bietet die Rolle einfach zu viele Möglichkeiten, sich als Schauspieler einzubringen. Wäre das nicht so, hiesse es sicher schnell mal: Ja, ja, der will jetzt halt die grosse Kohle verdienen.

Kann man denn reich werden als TV-Schauspieler?

Kremer: Das ist relativ. Für mich ist es mehr als genug Kohle. Ich verdiene wirklich sehr gut Geld damit.

Unter Intellektuellen gelten Krimis wie "Derrick", "Der Alte" oder "Ein Fall für Zwei" als ähnlich dürftig und deppert wie Fussball...

Kremer: Ich liebe Fussball, und für Borussia Dortmund gehe ich durchs Feuer. Gut, dass ich kein Intellektueller bin. (Grinst) Scherz.

...nochmals zu den Kritiken an den Dienstags-Krimis. Da ist gern die Rede von "Einheitsware" oder "lächerlichen Dialogen". Haben Sie keine Berührungsängste mit einem solchen Mainstream-Produkt?

Kremer: Neeh. Vielleicht ist die Kritik sogar berechtigt. Jetzt habe ich ja die Chance, mit "Siska" ein bisschen aus der Einheitsware auszubrechen und die Dialoge glaubwürdiger zu gestalten.

Wollen Sie denn mit "Siska" eine Botschaft vermitteln?

Kremer: Gott bewahre. Ganz klar nein. Ich bin keiner, der irgendwelche Botschaften rüberbringen will.

Dabei wäre Ihnen die Aufmerksamkeit eines Millionen-Publikums sicher.

Kremer: Stimmt. Die erste Folge von "Siska" hatte allein in Deutschland 8,7 Millionen Zuschauer und die zweite war trotz starker Konkurrenz mit 6,8 Millionen immer noch Tagessieger. Da haben wir uns sehr gefreut.

Stehen Sie unter Quotendruck?

Kremer: Ich nicht, der Produzent wahrscheinlich schon. Sollen sie alle unter Quotendruck stehen, ich könnte unter solchen Bedingungen gar nicht arbeiten. Das ist doch ein Wahnsinn. Gestern las ich in der Zeitung, dass irgendeine neue Moderatorin innert Kürze wieder gefeuert wurde, weil ihre Quote zwei Prozent zu tief war. Na hören Sie mal. Deshalb liebe ich ja auch meine Borussia so sehr. In Dortmund hat es, bisher mindestens, immer eine grosse Kontinuität gegeben. Da ging man mit einem Trainer auch mal über ein Tief und wusste später auch die gemeinsamen Hochs wieder zu schätzen. So bin ich auch: ein treuer Typ, der zu seinen einmal gefällten Entscheidungen steht.

Und für wie lange haben Sie sich für "Siska" entschieden?

Kremer: Der Vertrag dauert jetzt noch bis Dezember. Dann haben wir die ersten zehn bis zwölf Folgen gedreht. Nachher wird er - wie ich hoffe und denke - um ein weiteres Jahr verlängert.


Peter Kremer wurde 1958 im Sauerland geboren und kurze Zeit später nach Mülheim an der Ruhr verpflanzt. Nach dem Absolvieren der Realschule geriet der Besuch einer höheren Handelsschule zum Flop, weil er in Stenographie und Buchhaltung eine Niete war. Eine Jugendliebe, die Schauspielerin werden wollte, brachte den 18jährigen dazu, auch in dieses Metier einzusteigen. So besuchte er während drei Jahren die Essener Folkwang-Schule.
Im Anschluss daran war er an fast allen grossen Theatern im deutschsprachigen Raum engagiert, darunter auch während zwei Jahren am Schauspielhaus Zürich, wo er unter der Intendanz von Gerd Heinz in der überaus erfolgreichen Produktion "Merlin" den Parzival spielte. Seine Erinnerungen an Zürich und die kleine Kantine des Schauspielhauses, wo ihm vor allem der Rotwein schmeckte, sind so gut, dass er kürzlich um ein Haar nach Zürich zurückgekehrt wäre. Nur Siska war schneller. Seine Schweizer Fans haben immerhin die Möglichkeit, ihn am 8. Dezember im Stadttheater Schaffhausen zu bewundern, wo er in dem Goldoni-Stück "Diener zweier Herren" auftritt.
Sonntags spielt er regelmässig mit "ein paar Jungs" Fussball, nicht "militant" zwar, aber doch so leidenschaftlich, dass die Hobby-Kicker bei jedem Wetter bis zu Minus Zehn Grad rausgehen und sich abrackern. Als Zuschauer von guten Spielen kann er "regelrecht in Verzückung geraten". Das müssen auch seine zweijährige Tochter Lucy und sein vierjähriger Sohn Frederik zur Kenntnis nehmen, denen er ansonsten viel Zeit und Aufmerksamkeit schenkt. Er ist seit ein paar Wochen verheiratet und lebt mit seiner Familie am Starnberger See in der Nähe von München.

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© Barbara Lukesch