Unternehmerin mit Drive

Ospels bessere Hälfte / 24. November 2005, "Facts"

Symbolbild Thema Porträts

Dreissig Jahre alt, Dissertation mit summa cum laude, ein eigenes Unternehmen: Adriana Bodmer hat viele Talente. Ihre schwierigste Aufgabe ist es jedoch, die Lebensgefährtin von UBS-Präsident Marcel Ospel zu sein.

Es war die Sternstunde für alle Klatschmäuler, als sich Adriana Bodmer und Marcel Ospel am Opernball 2003 als Paar outeten. Etwas Besseres konnte der Highsociety nicht passieren. Hier der 55-jährige Präsident der Schweizer Grossbank UBS: aus einfachen Verhältnissen stammend, heute die Inkarnation von Macht und Erfolg, aber auch ein Freund barocker Sinnenfreuden, mehrfacher Vater und Ex-Ehemann. Dort die damals knapp 27-jährige Zürcherin Adriana Bodmer aus bestem Hause, promovierte Ökonomin und Jungunternehmerin, eine unscheinbare Frau, die in ihrer roten Robe verkleidet wirkte. Die Frage, wer die Frau an Ospels Seite war, entwickelte sich zum Thema des Abends.

Wir treffen Adriana Bodmer in ihren Büroräumlichkeiten an der Zürcher Tödistrasse, einen Steinwurf vom Seeufer entfernt und unweit der Firmengebäude von Swiss Life, Zürich-Versicherung und Swiss Re. Hier ballt sich Wirtschaftsmacht.

Dennoch will Adriana Bodmer auf den ersten Blick so gar nicht in das Bild einer Unternehmerin passen. Da steht eine Dreissigjährige, die mit ihrer ungeschminkten Natürlichkeit, ihrem blonden Pferdeschwanz und ihren zierlichen, fast kindlichen Händen mehr an ein grosses Mädchen als an eine erwachsene Frau erinnert. Sie setzt sich nur ungern an den Kopf des Tisches, weil es ihr widerstrebe, «den Chefposten einzunehmen», wie sie verlegen lachend sagt. Gleichzeitig will sie uns weismachen, dass ihr Team wie eine Wohngemeinschaft funktioniere, in der alle die gleichen Rechte und Pflichten haben. Der Vergleich hinkt, schliesslich ist sie die Mehrheitsaktionärin und taufte ihre Firma Adbodmer. Sie nickt, fährt mit entschiedenen Gesten über den Tisch und legt langsam ihre Zurückhaltung ab. Bodmers Stimme gewinnt an Volumen. Sie erzählt gern, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren, und sie spricht gern schnell.

Drang nach Unabhängigkeit

Die Adbodmer ist ein Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Bewertungen, Risk Management, Prozesskostenrechnung und wertorientierte Analysen. Als sie 2002, kurz nach Abschluss des Studiums, an den Start ging, arbeitete sie noch von zu Hause aus. Heute beschäftigt sie acht Personen mit Durchschnittsalter 34 Jahre, wobei Ruedi Steinhauser, Bodmers Partner, den Altersschnitt um 21 Jahre übertrifft. Sie selber ist verantwortlich für Akquisition und Strategie.

Die Jungunternehmerin scheint ein ausgeprägtes Bedürfnis zu haben, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Dieser Drang nach Unabhängigkeit mag zurückgehen auf ihren Vorfahren, den Freiheitskämpfer Johann Jakob Bodmer, der sich im achtzehnten Jahrhundert gegen die Unterdrückung des Kantons Zürich durch die Stadt auflehnte. Auf jeden Fall hätte sich die Tochter aus dem Zweig der Familie mit dem Blatt im Wappen niemals darauf verlassen, auf ihr stattliches Erbe zu zählen, das ihr ihre Eltern eines Tages möglicherweise überlassen werden. Stattdessen zog sie das Wirtschaftsstudium in Minimalzeit durch und schloss ihre Dissertation über das «Value-Based Management bei Banken», die sie während eines Praktikums auf der UBS schrieb, mit summa cum laude ab. Sie habe zweimal in ihrem Bekanntenkreis Menschen erlebt, die an Arbeitslosigkeit zerbrachen - und sich geschworen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um beruflich schnell und sicher auf eigenen Beinen zu stehen.

Bei der UBS lernte sie Ospel kennen, mit dem sie seit einigen Wochen in Wollerau SZ lebt. Der gemeinsame berufliche Hintergrund und das daraus resultierende Verständnis füreinander seien denn auch wichtige Bausteine ihrer Beziehung, sagt sie. «Dazu verbinden uns viele Interessen, denen wir uns mangels Zeit im Alltag vor allem in den Ferien widmen, die wir meistens in den Schweizer Bergen verbringen.» Ospel ist bekannt dafür, dass er gern wandert.

Ein Branchenkollege, der sie gut kennt, beschreibt sie als «eine der senkrechten Unternehmerinnen, die bodenständig sind, stark und stur, ja, mitunter gar störrisch ihren eigenen Weg gehen.» Umso härter muss es sie treffen, wenn sich die Öffentlichkeit in erster Linie für ihre Liaison mit Marcel Ospel interessiert und sie zur Frau an seiner Seite degradiert. Als die «Bilanz» sie kürzlich mehrseitig interviewte und sie dennoch auf dem Titelblatt und im Vorspann des Textes auf ihre Rollen als Lebenspartnerin von Ospel und Tochter aus einer alten Unternehmer- familie reduzierte, passte ihr das gar nicht. «Es hat mich genervt», sagt sie kurz angebunden und tut damit kund, dass sie das Thema nicht der Rede wert hält.

Eine Frage der Professionalität

Deutlich mehr Interesse zeigt sie bei der Frage, welche Auswirkungen ihr Zusammenleben mit dem mächtigen Banker auf ihre eigene Geschäftstätigkeit hat. Da ist sie als Firmenbesitzerin gefordert. Sie überlasse Aufträge aus der Bankenbranche ihrem Geschäftspartner. Ihr sei schon klar, so Bodmer, dass sonst jeder Kunde annehmen würde, dass Interna aus seinem Unternehmen direkt an die UBS weitergingen. Selber widme sie sich den anderen Branchen: Industrie, Versicherungen und öffentliche Hand. «Ich halte es für eine Frage der Professionalität», konstatiert sie, «dass solche Grenzen gezogen und eingehalten werden.»

Bodmer ist eine Arbeitsmaschine, getrieben von Leistungsbereitschaft. So wurde sie erzogen, so wuchs sie auf, und heute kann sie gar nicht mehr anders. Ihr Vater hat seine eigene Firma, die Blech + Profil (Aluminiumhandel), ihre Mutter die ihre (Stahlton, u. a. Brückenbau), ihr zwei Jahre jüngerer Bruder steht bei der Globus-Gruppe dem zentralen Rechnungswesen vor.

Mit ihm hat sie von früh an «täglich kleine Wettbewerbe» inszeniert. Mal massen die beiden Kinder, wer länger tauchen konnte und unter Wasser einen Kopfstand hinbekam, regelmässig waren sie am Joggen und erfassten mit der Stoppuhr die Rundenzeiten, die sie fein säuberlich in einem Büchlein notierten. Sport war schon immer ihr Ding: Landhockey, ein Hobby, das man eher Männern zuordnet. Den Sport trieb sie bis zur Nationalmannschaftsreife. Hinzu kommt Tennis, wo sie auf Interklub-Niveau spielte, also gemäss eigener Worte «nur mittelmässig», dazu Segeln und seit sechs Jahren auch Golf, wo sie es auf Grund ihres späten Einstiegs «erst zu einem Handicap von 22 gebracht hat», wie sie entschuldigend bemerkt.

Die Musik kam bei Adriana Bodmers vielen sportlichen Aktivitäten zwar ein wenig zu kurz, doch auch mit ihrer Klarinette schaffte sie den Einzug in ein respektables Orchester. In der Politik avancierte sie an ihrem Heimatort Zollikon zur Vizepräsidentin der FDP.

Verschärftes Tempo

Bodmer ist besessen vom Gedanken, ständig besser und erfolgreicher zu werden. Alles andere empfindet sie als Stagnation. Auch Marcel Ospel bekommt ihren Ehrgeiz zuweilen zu spüren und spielt dank ihr wieder mehr Tennis. Auf den gemeinsamen Spaziergängen habe sich das Tempo deutlich verschärft, bemerkt sie mit einem feinen Lächeln.

Bodmer ist generell eine Schnelle, die auf Effizienz pocht. Schon als kleines Mädchen ärgerte sie sich über ihre Mutter, die ihr verbot, die Abkürzung durch den Wald zu nehmen. Stattdessen verordnete sie ihr den zeitraubenden Umweg über die Strasse. Erst dreimal in ihrem Leben war sie im Kino, weil sie es für Zeitverschwendung hält, sich «langweilige Szenen anschauen zu müssen». Da schiebt sie lieber eine Videokassette ein und spult vor.

Die stets konservativ-klassisch angezogene junge Frau stört sich daran, dass sie in der Öffentlichkeit stark über ihren prominenten Partner definiert wird. Doch sie verhehlt nicht, dass ihr die Verbindung auch Vorteile fürs Business bringt. So zum Beispiel, wenn sie Ospel an Galas, Bälle und andere gesellschaftliche Anlässe begleitet, in deren Rahmen sie wichtige Leute kennen lernt und von seinem umfassenden Netzwerk profitiert: «Das ist so», räumt sie ein. Nur müsse man die Bedeutung solcher Begegnungen relativieren. Schliesslich könne sie auch als Ospels Partnerin nicht «husch, husch» beim Dessert einem Finanzchef den Vorschlag machen, er solle sich doch einmal von ihrer Firma beraten lassen.

Alles selber gemacht

Dass eine Liaison mit dem mächtigsten Banker der Schweiz auch auf andere Art Früchte tragen kann, wird deutlich, wenn man den Verwaltungsrat der Swiss Water System unter die Lupe nimmt. An dieser Firma, die sich dem Handel mit Trinkwasser und dem Kauf von Wasserquellen widmet, ist die Adbodmer beteiligt. Im Verwaltungsrat sitzen mit Hans Ueli Götz, Peter Eulau und Freddy Burger drei gute Bekannte von Marcel Ospel. Die Frage, ob die drei vom UBS-Chef persönlich rekrutiert worden seien, regt sie auf. Ihre Wangen röten sich jetzt merklich. Sie selber habe diese Kontakte geknüpft, stellt sie klar. Die Annahme, dass sich gestandene Berufsleute im Verwaltungsrat eines Unternehmens engagieren, nur weil sie Herrn Ospel einen Gefallen tun wollen, grenze an Naivität: «Ihre Mitarbeit zeigt vielmehr, dass ich sie von der Sache überzeugen konnte.»

Gemäss Bodmers Angaben hat ihr Betrieb von Anfang an schwarze Zahlen geschrieben. Ihre Auftraggeber stammen mehrheitlich aus der Schweiz und setzen sich aus börsenkotierten Firmen, KMUs und einer öffentlichen Körperschaft zusammen. Es ist aber auch ein New-Yorker Grosskunde dabei.

Das alles hat sie selber aufgebaut, und das lässt sie sich nicht kleinreden: «Wieder und wieder das Klischee vom mächtigen Banker und der jungen Frau, die alles nur seinen Beziehungen verdankt.» Sie seufzt: «Mein Gott, noch nie in meinem Leben war ich so froh, dass ich eine gute Dissertation geschrieben und ein eigenes Unternehmen gegründet habe, wie jetzt.» Das zeige doch klar, hält sie mit Nachdruck fest, «dass ich nicht das «Tötschli» an seiner Seite bin, sondern selber auch Drive habe und etwas auf die Beine stellen kann».

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© Barbara Lukesch